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Den Kultusminister auf den Grenzwanderweg mitnehmen PDF Drucken E-Mail
Zum 20. Male jährt es sich am 3. Oktober, daß die Teilung Deutschlands der Vergangenheit angehört. 40 Jahre lang trennten Zaun und Minen Deutsche von Deutschen. Heute erinnern im ehemaligen, unterfränkischen Grenzland nur noch wenige Relikte an das geteilte Deutschland. Allerdings werden sowohl die entstandenen Grenzmuseen, wie das Museum für Grenzgänger in Bad Königshofen und auch der „Grenzgängerweg“ bei Trappstadt immer mehr angenommen. An die 100 Interessierte waren am Sonntag mit dem Bayerischen Bauernverband Rhön-Grabfeld an der einstigen deutsch-deutschen Grenze bei Trappstadt unterwegs.

Rund fünf  Kilometer waren die Grenzwanderer auf dem Kolonnenweg unterwegs, dort wo einst die Kontrollfahrten der DDR-Grenztruppen stattfanden. Steil gings den Berg nach oben. Von hier aus hatten die Grenzsoldaten einst das gesamte Land im Blickfeld. Im Tal unten dann noch etwa 30 Meter Original-Grenzzaun. 3,20 Meter hoch, davor der Kraftfahrzeug-Sperrgraben. „Der Grenzzaun ist noch der alte, der, den die DDR selbst gebaut hat,“ sagte Rudolf Reder, der die Gruppe führte. Später sei der Metallgitterzaun eingebaut worden.

Warum aber blieb ausgerechnet dieses Stück Grenzzaun stehen. Der wurde schlichtweg vergessen, weiß Karlheinz Elsner aus dem thüringischen Schlechtsart und der erinnert sich an die Zeit vor mehr als zwei Jahrzehnten. Ein bedrückendes Gefühl sei es gewesen, als man nicht an den Grenzzaun durfte aber doch gerne einmal nach Trappstadt wollte. Erinnerungen wurden auch bei Heidi Bärwald, Bürgermeisterin von Schlechtsart wach. Sie war immer auf den sogenannten „Hausberg“ gestiegen, um einen Blick in den Westen zu erhaschen. Heute sei das alles Gottseidank vorbei und man kann ungehindert nach Franken oder Thüringen, sagt sie. Jugendliche, die bei der Führung dabei waren, die konnten es oft nicht nachvollziehen, warum es einst eine Grenze gab. Unverständlich sei das und eigentlich nicht nachvollziehbar, andere meinten, daß es wohl daran lang, daß sich zwei Länder gestritten hätten und das Land geteilt war. „Ich verstehe das aber nicht, daß man deshalb die Menschen getrennt hat.“

„Wir kannten es nicht anders,“ sagte eine Teilnehmerin aus Linden in Thüringen. Man habe gewusst, daß man nicht an die Grenze durfte und an Urlaub dachte man ebenfalls nicht. Es sei ja auch  nicht das notwendige Geld da gewesen. „Wir haben uns sicher gefühlt und hatten eigentlich alles was wir wollten.“ Trotzdem sei es schön wie es nun gekommen ist, daß Deutschland wieder ein Land ist. Ruth Scheublein, Kreisbäuerin in Rhön-Grabfeld, die hatte die Idee zu dieser Grenzwanderung und sie lag mit ihrer Einladung genau richtig. Daß so viele kommen würde, hatte sich nicht geglaubt. Es zeige aber, daß das Interesse da ist. Es sei wichtig, so die Kreisbäuerin, auch dieses Stück deutscher Geschichte nicht zu vergessen und sich damit zu befassen.

Das sahen auch andere Teilnehmer der Grenzwanderung so und erinnerten sich, daß sie Verwandte in Thüringen haben, die sie heute problemlos besuchen können. Früher sei das alles viel schwieriger gewesen. Auf dem Grenzweg zu gehen, das sei schon etwas ungewöhnlich, vor allem auch, als man dabei erfuhr, daß früher einmal sogar Minen gelegt wurden, um die Bürger aus der DDR an der Flucht in den Westen zu hindern. “Unvorstellbar!“ hieß es da zum Beispiel oder auch, daß sollte man vor allem auch der Jugend berichten, die davon heute kaum etwas weiß. „Wir haben es miterlebt, aber auch die Öffnung der Grenze,“ sagte eine andere Teilnehmerin. Warum aber wird die DDR-Geschichte erst jetzt nach 20 Jahren Wiedervereinigung interessant. Hatte man sie verdrängt? „Keinesfalls, ich denke es hat nur eine gewisse Zeit gebraucht, damit man das alles verarbeitet hat und nun darüber reden kann,“ meinte einer der Grenzwanderer. Jetzt nach 20 Jahren sehe man alles auch ein bisschen differenzierter. Es sei aber ganz wichtig, daß solche Wanderungen durchgeführt werden und daß man noch Relikte aus der Zeit hat, die der nachfolgenden Generation das einstige DDR-System vor Augen führen.

Was die Grenzwanderer nach rund eineinhalbstündigen Fußmarsch aber auch als wichtig sahen, war – daß dieser Teil der deutschen Geschichte auch in den Schulen mehr ins Bewusstsein gerückt werden sollte. Michael Diestel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Rhön-Grabfeld wußte, daß seine beiden Söhne in der Schule kaum etwas von diesem Teil der deutschen Geschichte erfahren. Die Geschichtsverantwortlichen im Kultusministerium und in den Schulen sollten einmal darauf hingewiesen werden und vielleicht sollte auch unser Kultusminister einmal solch eine Grenzwanderung mitmachen.

Keine schlechte Idee – eine Grenzwanderung mit dem Kultusminister. Nur wenige Relikte erinnern heute noch an die deutsche Teilung – Dazu gehört auch der Grenzgängerweg zwischen Trappstadt und dem thüringischen Schlechtsart, wo die einstige deutsche Teilung erfahrbar wird.

Quelle: Hanns Friedrich
 
 
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