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Der 9. November in der Erinnerung |
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Der 9. November 1989 war ein Tag, der die Menschen an die Bildschirme fesselte, vor allem in den Abendstunden. Da berichtete das Fernsehen über eine Sitzung in der DDR-Hauptstadt Berlin und Günter Schabowski traf damals die Aussage, dass so wie er es einer Mitteilung entnehmen kann, die Grenzen zur Bundesrepublik geöffnet werden. Die DDR Bürger könnten damit in die Bundesrepublik ohne Kontrollen einreisen. Etwas, das nicht nur in der damaligen DDR einschlug, „wie die bewusste Bombe“. Am Fernseher konnte man mitverfolgen, wie sich die Menschen Richtung Grenze drängten, die Schlagbäume nach oben gingen und sie in den Westen strömten.
Im Landkreis Rhön-Grabfeld war es der 10. November morgens kurz nach 3 Uhr als der erste Trabbi an der Grenze ankam und die Insassen „nur mal sehen wollten, ob das wahr ist, was da im Fernsehen verkündet wurde.“ Bei Tagesanbruch bildeten sich dann die Warteschlangen an den Grenzen und der Verkehr von Ost nach West brach nicht ab. Mehr als 40.000 Fahrzeuge aus Thüringen passierten damals an einem Wochenende den Grenzübergang bei Meiningen.
An die Grenzöffnung erinnert sich Günter Krämer aus dem thüringischen Mendhausen noch besonders gut, weil damals seine Schwester kam und ihm sagte: „Du die Grenze ist offen.“ Er habe das damals gar nicht glauben können und habe dann im Fernsehen alles mitverfolgt. Krämer, von Beruf Bäcker, konnte dann erst einige Tage später in den Westen fahren und zwar nach Höchheim wo er Verwandte hatte. Über Eußenhausen fuhr man nach Mellrichstadt und Ostheim und kam am Nachmittag in Höchheim an. Ein kalter Tag sei es gewesen, erinnert sich Krämer und weiß auch, dass man im Trabant kalte Füße bekommen hatte.
Altlandrat Dr. Fritz Steigerwald war an diesem Abend unterwegs und fand auf dem Tisch einen Zettel mit dem Hinweis, dass er bei der Polizei am Grenzübergang Meiningen anrufen sollte. Es könnte sein, dass die Grenze heute Nacht geöffnet wird. Steigerwald tat dies und erinnert sich noch daran, dass es ihm wie ein Wunder vorkam, was da geschah, als die DDR-Bürger dann tags darauf in den Westen strömten. Damals wurde auch das Begrüßungsgeld ausbezahlt und Steigerwald holte dieses auch mit dem Privat-Pkw und brachte es zu den Auszahlungsstellen.
Pfarrer Alfred Rind, damals Ortspfarrer im thüringischen Wolfmannshausen, hatte am Abend seinen Predigt für den nächsten Tag vorbereitet und war, ohne noch fern zu sehen, ins Bett gegangen. Am nächsten Tag fuhr er nach Römhild, um dort seinen Passierschein verlängern zu lassen, weil Wolfmannshausen im Sperrgebiet lag. Die Beamten sagten ihm damals, dass er das nicht mehr brauche, weil die Grenze offen ist. „Das war unfassbar für mich,“ sagte der Pfarrer und wußte auch, dass man dann tags darauf nach Bad Königshofen und Ottelmannshausen fuhr, um Bekannte zu besuchen.
Die Familie Blau, die ein halbes Jahr zuvor in den Westen geflüchtet war, konnte es an diesem Abend nicht fassen. „Wir saßen vor dem Bildschirm und haben es einfach nicht geglaubt, die ganze Nacht waren wir aufgeregt.“ Am nächsten Tag fuhr man dann nach Eicha, in das Dorf, in dem jahrelang lebte, um die Mutter und die Geschwister zu besuchen. „Es war einfach umwerfend,“ erinnert sich Kerstin Blau. „Wir sind uns in die Arme gefallen – die Freude war riesengroß.“ Besonders schön sei das erste gemeinsame Weihnachten dann gewesen.
So wie diesen Bürgern aus Ost und West ging es vielen anderen, die es einfach nicht glauben konnten. Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert aus Sternberg spricht immer noch von einem Wunder. Er selbst erinnert sich daran, dass er nicht schlecht staunte, als es erste Begegnungen mit DDR-Bürgern gab, diese „genau so Grabfeldermundart sprachen wie wir.“ Man hatte eigentlich erwartet, dass sie sächseln, denn an der Grenze waren ja Sachsen als Wachpersonal eingesetzt. Was Albert aber auch auffiel, waren die Bräuche und die oft noch vorhandenen Brau- und Backhäuser. Oft habe er sich da in seine Kinderzeit zurückversetzt gefühlt.
Quelle: Hanns Friedrich |
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