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Ausstellungseröffnung: Es war einmal die DDR |
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Die neue Sonderausstellung „Es war einmal die DDR“ ergänzt seit Montag die Exponate des Museums für Grenzgänger in der Schranne in Bad Königshofen und beleuchtet das Ereignis des Mauerfalls aus regionaler Sicht. Jubelnde Menschen sind auf Fotos zu sehen, triste Grenzanlagen und geöffnete Grenztore. Jeder Übergang hat eine eigene Geschichte, kein Mensch, der damals dabei war, wird das, was eigentlich nur eine „Reiseerlaubnis ins Ausland“ sein sollte, aber letztendlich zur Wiedervereinigung führte, jemals vergessen. Das klang in allen Reden an, die anlässlich der Ausstellungseröffnung gehalten wurde, jeder teilte seine ganz persönlichen Empfindungen und Erlebnisse mit den Zuhörern.
Zunächst begrüßte der Vorsitzende des Vereins für Heimatgeschichte und Kreiskulturreferent Hanns Friedrich die zahlreichen Festgäste aus Unterfranken und Thüringen, dann erinnerte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel in seiner Ansprache an die Schlagzeile „Die Mauer ist weg“, an Freudentänze, Glückstränen und das Wiedersehen mit Freunden und Verwandten. Seine erste Fahrt nach Saalfeld und Meiningen vergesse er nie, der Novembernebel vermischte sich mit dem typischen Braunkohlegeruch und die Hauseingänge sahen aus wie in den 50ger Jahren. „Es bleibt ein Wunder, dass sich diese Grenze aufgelöst hat“, so Dotzel, der vor jeglicher Verklärung der DDR-Vergangenheit und dem Realitätsverlust einiger Bürger warnte. Es gab den Schießbefehl, es gab Bespitzelung, Schikanen und die Sperrzone. Inzwischen habe sich viel getan, so Dotzel, die „blühenden Landschaften“ gebe es auch stellenweise. Allerdings habe man immer noch eine höhere Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern und eine Überalterung, weil viele junge Leistungsträger in den Westen gegangen sind. Aber man könne froh und dankbar sein, in einem vereinten Europa mit 27 Mitgliedsstaaten in Frieden leben zu können, auch das habe der Fall der Grenze erst möglich gemacht, sagte Dotzel. Er hoffte, dass viele Schulklassen diese Ausstellung besuchen.
„Wir haben uns alle riesig gefreut“, kommentierte auch Landrat Thomas Habermann die Öffnung der Mauer, diesen weltgeschichtlich bedeutenden Vorgang. Er wies darauf hin, dass die Menschen in der DDR den entscheidenden Beitrag dafür geleistet haben. Hätten sie nicht die persönlichen Risiken auf sich genommen, wäre nichts passiert. Nach 20 Jahren seien jedoch die dringendsten Aufgaben erfüllt und man könne an die geschichtliche Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit herangehen. Er erinnerte an die Zustimmung der Nachbarländer, die eine Wiedervereinigung teilweise begrüßten, sich neutral verhielten oder sie ablehnten, letzteres war aus England zu hören. Der Gedanke, die Deutschen hätten bewiesen, dass sie reif seien für ein demokratisches System, konnte sich letztendlich durchsetzen. Mit einem Dank an die Menschen in der damaligen DDR für ihre gewaltige Leistung schloss der Landrat seine Ansprache.
Aus seinem Leben berichtete der jetzt 47jährige stellvertretende Landrat von Schmalkalden-Meiningen, Michael Heym, der als junger Mann in die Ost-CDU eintrat, um nicht der SED beitreten zu müssen. Mehrere negative Erlebnisse ließen ihn an dem Regime zweifeln und er findet es infam, wie manche Menschen das System der DDR im nachhinein verklären. Man denke nur an die Kinder, die ihren Eltern entzogen wurden, nur weil sie nicht systemkonform waren, so Heym. „Das, was wir hinter uns gelassen haben, war nicht nur wirtschaftlich am Ende, sondern auch moralisch - in höchstem Maße.“ Er freute sich über die Ausstellung und das Interesse, das hier den Thüringern entgegen gebracht wird. Er wünschte sich ein wenig mehr Dankbarkeit seitens seiner Mitbürger, auch für das, was an Unterstützung zu ihnen gekommen ist. Man müsse jedoch Verständnis haben für diejenigen, die sich komplett umorientieren und alte Hoffnungen begraben mussten.
Als Zollbeamter hat Bürgermeister Thomas Helbling die Grenzöffnung erlebt und bekommt heute noch Gänsehaut, wenn er die Bilder und Filme von damals und die Freude der Menschen sieht. Die Ausstellung sollte allen Schulklassen einen Besuch wert sein, meinte er, denn die später geborenen Kinder und Jugendlichen können sich die Situation von damals nicht mehr vorstellen. Einen Glücksfall nannte er den Verein für Heimatgeschichte im Grabfeld, der in diesem Jahr nicht nur diese Ausstellung, sondern auch viele weitere interessante Veranstaltungen zum Thema Mauerfall organisiert hat.
Kreisheimatpfleger und stellvertretender Vorsitzender Reinhold Albert sprach das Schlusswort und erinnerte daran, wie schnell plötzlich die Grenze abgebaut war und wie sehr man sich beeilen musste, um noch einige Relikte zu sichern. Als Grenzpolizist hatte er es sich nicht träumen lassen, jemals die Grenzöffnung zu erleben, berichtete er. Der Verein fühle sich verpflichtet, die Zeugnisse der damaligen Zeit zu erhalten. Er kündigte auch das neue Buch „Grenzerfahrungen kompakt“ an, das demnächst ausgeliefert wird. Sein Dank galt allen, die an der Ausstellung mitgewirkt haben, auch der Stadt, die anschließend zu einem Imbiss einlud.
Die Museen sind geöffnet Dienstag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Donnerstag 10 bis 12 Uhr und 17 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr.
Quelle: Regina Vossenkaul |
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